Zugangsbeschränkungen

Schluss mit lustig für Publizistik und Psychologie

Ministerin Beatrix Karl hat sich seit ihrem Amtsantritt schon mehrmals für flächendeckende Zugangsbeschränkungen ausgesprochen. Mit Publizistik und Psychologie betrifft es jetzt zwei sehr gefragte Studienrichtungen.

Protest gegen ZugangsbeschränkungenNach Medizin erwarten uns nun mit Beginn des nächsten Semesters auch Aufnahmetests in den Fächern Publizistik und Psychologie.

Überraschend kam das nicht. Die betroffenen Hochschulen haben schon vor einiger Zeit den Antrag auf Anwendung des Notfallparagraphen beim Wissenschaftsministerium eingebracht.

Anfang Mai war es dann soweit. Nach langer politischer Diskussion zerbrach die rote Einheitsfront gegen die Zugangsbeschränkungen und die Regierung beschloss, sehr zur Freude der Universitäten, die Aufnahmeverfahren.

Gescheitert ist lediglich das Vorhaben von Rektor Badelt von der Wirtschaftsuniversität Wien. Er wollte auch auf seiner Universität in zwei Studienrichtungen Zugangsbeschränkungen einführen, scheiterte allerdings am Widerstand der übrigen Universitäten. Alternativ wird es jetzt eine verschärfte Studieneingangsphase und neue Voraussetzungsketten geben.

Die Zeiten werden härter

Dass die betroffenen Fächer überlaufen sind ist nichts Neues. Die vermehrte Nachfrage nach Anwendung des Notfallparagraphen durch die heimischen Rektoren jedoch schon. Die Beweggründe sind fast immer die gleichen. Deutschland wird in den nächsten Jahren sein Schulsystem schrittweise umstellen - statt wie bisher 13 wird man in Zukunft nur noch zwölf Jahre für das Abitur benötigen. Mit den neuen Zugangsbeschränkungen versuchen die österreichischen Hochschulen sich rechtzeitig auf den zu erwartenden Anstieg an deutschen Studienanfänger_innen vorzubereiten.

Veralteter Numerus Clausus

Nicht sicher ist allerdings wie lange der Zustrom an deutschen Numerus-Clausus-Flüchtlingen noch anhalten wird. So sprach sich Anfang April der deutsche Gesundheitsminister Philipp Rösler vehement gegen den Numerus Clausus und für eine Verstärkung von Auswahlgesprächen aus - der Notendurchschnitt alleine dürfe nicht ausschlaggebend sein.

Traurig an dieser Entwicklung und der einhergehenden Diskussion ist, dass scheinbar niemand  Alternativen zu Auswahlverfahren und Zugangsbeschränkungen erkennt. Was die Zukunft bringen wird, ist noch ungewiss. Unsere Kinder werden jedenfalls nicht mehr zwischen so vielen frei zugänglichen Studienrichtungen wählen können, so wie es uns möglich war.

[gog, Ausgabe 9/2010]

 

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