Unkenrufe aus dem KellerSeit März 2009 hat die österreichische Neonaziszene ein neues Projekt: Die Homepage alpen-donau.info, unter dem Schutz der Anonymität auf einem US-amerikanischen Server eingerichtet. Erwartet man hier eine verstaubte Onlinepräsenz in gotischen Lettern, so wird man enttäuscht: Kein braun-grauer Stahlhelm-Look, sondern durchdesigned, höchstprofessionell und steril. Auf der Hauptseite wird einem auch gleich eine Auswahl der aktuellsten Neonazi-Beiträge serviert, zum Beispiel: „Aus unserer Reihe: Antifaschismus ist ein Verbrechen“, „Die Juden in Österreich – Ein Fremdkörper“, oder „Was treiben die Lausbuben von Ebensee?“. Neben der Möglichkeit, in geschlossenen Foren Kommentare zu verfassen („Heil Hitler!“ gilt in diesen als die Standardgrußformel), gibt es noch ein umfassendes Archiv-Feature mit allen Beiträgen des letzten Jahres. Ein Button am rechten Rand bietet weiters die Möglichkeit, „Kontakt zum aktiven nationalen Widerstand in Deiner Umgebung“ aufzunehmen. Ein weiterer Button mit dem bezeichnenden Namen „Die Krise – es geht dem Ende zu... bereite dich vor!“ vermittelt gestandenen Neonazis Überlebensstrategien für den bevorstehenden Weltuntergang (z.B. „Gold zu Hause lagern – vergraben“, „Eigenheim mit Alarmanlage sichern, Waffenschein kaufen, Waffen + Munition zulegen“). Das DÖW (Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes) sieht in der zeitgeistigen Gestaltung der HP den Ausdruck eines Generationswechsels in der zunehmend militanter agierenden Neonaziszene. Alles andere als neu sind aber die Inhalte und die Organisationsstrukturen, aus denen sie hervorgegangen ist. So führt das DÖW die „Volkstreue Außerparlamentarische Opposition“ (VAPO) und verschiedene Jugendgruppen der „Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik“ (AFP) als politische Hintergruppierungen an. Neu ist also die popkulturartige Herangehensweise an die vorvorgestrigen Themengebiete und deren Vermittlung. Die Themen sind also die alten: Deutschnationale Volkstümelei, (Welt-)Verschwörungswahn, Totalopposition gegen das demokratische System, antimuslimische Hetze und Antisemitismus in einer schockierend offenen Form. Vor allem die extrem offen formulierte antisemitische Hetze ist erschreckend. So wird zum Beispiel Dr. Ariel Muzicant als „Stänkerjude“ beschimpft. „Raus aus den Kellern!“, ruft die HP den „Volksgenossen“ in militanter Manier zu – in dieser Hinsicht haben die Neonazis anscheinend verstanden, wo ihr Platz in einer demokratischen, zivilisierten Gesellschaft ist. Es bleibt also zu hoffen, dass die Verantwortlichen der HP von den Behörden möglichst schnell ausgeforscht und dingfest gemacht werden. [mahu, Ausgabe 9/2010] |











