Comics gegen Rechts: 24 Stunden - 365 Tage

Die seit einem Jahr bestehende Plattform österreichischer Zeichner und Zeichnerinnen www.comicsgegenrechts.at veranstaltete Anfang Mai ein 24-Stunden-Comic-Marathonzeichnen. Mit teilweise beachtlichen Ergebnissen.

Comics gegen RechtsKnapp vor Pfingsten 2009 schlug die Meldung wie eine Bombe ein: die FPÖ hatte 500.000(!) Stück eines über 60-seitigen(!) Comic-Heftes an alle jugendlichen Wahlberechtigten per Post(!) versandt. Das platte Anti-EU-Pamphlet wurde als „Informationsbroschüre“ via Parteiakademie der FPÖ von Steuergeldern finanziert.

Die Reaktion der österreichischen Comic-Zeichnerszene erfolgte prompt. Man hatte sich schon lange über die nicht besonders schlecht gezeichneten, aber propagandistisch-untergriffigen Strips um den glorifizierten „HC-Man“, geärgert und über Gegenmaßnahmen beraten.

Der Hauptpunkt des Ärgernisses: politische Comics sind und waren traditionell eher ein Mittel der Linken. Und der Großteil der (nicht nur österreichischen) Zeichnerszene kann leicht dem links-grün-alternativen Lager zugerechnet werden. Diese Aneignung – und damit auch in gewisser Weise – Beschädigung durch die Rechten forderte schon lange eine Reaktion…

Nun ging es aber schnell: Domain (www.comicsgegenrechts.at) gesichert, erste Comics und Cartoons hochgeladen, Info verbreitet. Zwei Tage nach Pfingsten war alles online.

Ein Jahr später: über 200 Seiten (unter freier Lizenz), über 700.000 Hits und fast 800 Facebook-Fans – „CGR“ wurde zur (publizistischen) Erfolgsgeschichte.

Zeit für eine Steigerung! Promi-Bloggerin und –Twittererin Jana Herwig (@digiom) hatte die Idee im Rahmen des Grüncamps ein 24-Stunden-Comic zu organisieren. Darunter versteht man ein internationales Format, bei dem sich die Teilnehmer bemühen innerhalb von 24 Stunden eine Comic-Geschichte mit 24 Seiten zu schaffen.

Vom 8. auf  9. Mai 2010 versuchten sich daran (schwankend) zwischen 10 und 20 ZeichnerInnen, verköstigt  von den Grünen Wien in der Fleischerei im siebenten Bezirk. Mit den Grundthemen „gegen Rechts, für Toleranz, für ein Miteinander…“

Viele Teilnehmer hielten die ganze Zeit tapfer durch und zeichneten still und unbeirrbar die ganze Nacht vor sich hin. Und twitterten teilweise unter dem Hashtag #cgr24h mit.

Die Ergebnisse ließen sich nach 24 erschöpfenden Stunden jedenfalls sehen: von vollen 24-Seiten über kürzere Storys bis zu Einzelstrips und Cartoons reichte die Ausbeute. Insgesamt fast 200 Seiten, von Cartoon-Stil bis künstlerisch, von lustig bis tragisch, von konkret böse anti-rechts bis fabelhaft verbrämt. Die werden nun langsam Schritt für Schritt in die Website eingefügt.

Insgesamt ein großer Erfolg. Wiederholung nicht ausgeschlossen!

Die Ergebnisse des 24-Stunden-Zeichnens: www.scribd.com/comicsgegenrechts
Comics gegen Rechts auf Facebook: bit.ly/CGR_FB

[haha, Ausgabe 9/2010]

Das Tuba Dilemma

 

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